the freaks are alright

Endlose Kampagne für Verschiedenes

Am St. Pauli- Hafenrand ranken sich die Gräber der Investoren. Wer bist du, dass du glaubst uns kaufen zu können?

Denk’ mal darüber nach, mit wem du dich hier anlegen willst. Glaubst du wirklich, du kannst dich mit einer tickenden Parkuhr messen? Vielleicht darfst du hier nicht mal dein Auto abstellen. Hier bei uns. Wobei, gibt es uns überhaupt? Sind wir ein sich herum streitendes Kollektiv oder ein gewiefter Hühnerhaufen? Auf jeden Fall sind wir ganz Viele mit ganz vielen, ganz diversen Anliegen, vollkommen uneins und hierbei besonders einig: Wir sind struppige Hafenköter, wir sind hier drin, wir sind Pudel, wir sind Park Fiction. Und wir sind auch Floristen, Raumnehmer, tanken ESSO und können jederzeit in die Gänge kommen! Unserer Jahrzehnte alter, weit geöffneter Parkplatz ist unsere Ritterburg, unsere Festung, unser Raumschiff, unser glibberiger Schleimklumpen- ja, irgendwie ist der Pudel für Jede und Jeden etwas anderes und das wissen wir ganz genau: Uns gibt es und du (als Investor) darfst hier nicht parken. Wer uns kaufen will, muss Hundefutti mögen. Wer uns fressen, will wird sich die Verdauung verderben. Ihr glaubt ihr könnt stolze Freaks abschaffen, sie schnöde wegkaufen oder in einer eurer kultigen Marken umwandeln? Pustekuchen! Unsere bedrohte Haltung wird sich mit eurer eigenen Investoren- Magensäure mischen. Dagegen sind Bauchspeicheldrüsenkrebs und Lehman Brother- Pleite ein süßer, kleiner Schnupfen!

HEY! Komm doch lieber mal vorbei. Du kannst dich hier weiterhin inspirieren lassen, oder dich zu Free-Jazz-Musik besaufen. Dann wirst du herausfinden, ob man uns ersetzen kann. Kreditkartenzahlung gildet aber weiterhin nicht. Herein spaziert!

Der Golden Pudel Klub wehrt sich mit allen Solidarischen gegen einen drohenden Einkauf (per erzwungener Teilungsversteigerung) und wird mit einer endlosen Kampagne „the freaks are alright“ einen der letzten, bitter nötigen „offenen Orte“ auf St. Pauli und anderswo, behaupten.

Geplant sind monströse Prozessionen, überregionale Kunstaktionen, seriös durchgerechnete Gelddruckverfahren, eventuelle Platzverweise und diverse Feierlichkeiten mit ganz viel selbstbewusster, leckerer FreaKassee.

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the freaks are alright

a continuous campaign for various reasons

Just think about precisely who you are challenging here. Do you really think you can take it on with a ticking parking meter? You are probably not even allowed to park your car here. Here, on our turf. Who exactly are we? Do we even exist? Are we a collective emerged in continuous arguments or a crafty bunch? Well, one thing is for certain, we are a lot, with a lot of and very diverse concerns – all individuals whilst being one. We are scruffy harbour dogs, we are here, we are Pudel, we are Park Fiction. We are also florists, Raumnehmer, we tank Esso and are always ready to come in Die Gänge! Our open and old car park is our castle, fortress, our spaceship, our wobbly lump of slime. Yes, the Pudel resembles something different to everyone and we know this: We exist and you (as an investor) are not allowed to park here. Whoever wants to buy us has to like Hundefutti. Whoever wants to eat us will most definitely get an upset stomach. You think you can suppress or buy proud freaks and replace them with one of your brands? No chance.

Hey! Here’s an idea. Why don’t you just stop by instead and get inspired or drunk whilst listening to free jazz. Then you’ll find out if it is possible to replace us. However, we still won’t accept credit cards. So come in and say hi!

The Golden Pudel Klub and everyone showing their solidarity in resisting against the impending shopping spree (the forced auction) will continue to fight in order to keep one of the last ‘open spaces’ in St. Pauli, as well as anywhere else, open. ‘The freaks are alright’ will be a continuous campaign.

We will do whatever it takes; from giant processions, art activations nation wide, possible sending-offs and various celebrations filled with confident, tasty FreakKassee.

We are scruffy harbor dogs, we are here, we are Pudel.

pudel mein haus

kaufleuteraus

Der Golden Pudel Club in Hamburg St. Pauli existiert an seinem heutigen Ort, St. Pauli Fischmarkt 27, seit 1994. Er wurde Anfang der 1990er Jahre von den Musikern Schorsch Kamerun und Rocko Schamoni gegründet, um mit ihm einen ökonomisch unabhängigen Ort für Musik, Kunst, Performance zu initiieren. Für den in den letzten 20 Jahren starken Gentrifizierungsprozessen ausgesetzten Stadtteil Hamburg St. Pauli ist der Pudel Club auch von stadtteilpolitischer Bedeutung. Im Jahr 1996 konnte das historische Gebäude in unmittelbarer Hafennähe in Zusammenarbeit mit der Initiative Park Fiction entgegen dem städtischen Plan einer mehrstöckigen Neubebauung erhalten werden. Der Golden Pudel Club hat seit 20 Jahren täglich geöffnet. Er ist in dieser Zeit zu einem wichtigen Ort in der Geschichte und Gegenwart musikalisch-subkultureller Lebensformen geworden. Wie vor 25 Jahren ist der Pudel noch heute ein Konstrukt aus vielen Menschen, die diesen Ort kollektiv und ohne die privatwirtschaftliche Dominanz von offiziellen Inhaber-Papieren gestalten.

 

Dieser Ort ist nun bedroht. Einer der Eigentümer hat die Teilungs-Versteigerung eingeleitet. Dieses Szenario bedeutet, dass das Gebäude in einigen Monaten auf dem Immobilienmarkt zum Verkauf stehen wird.

 

Wie ist es zu dieser Situation gekommen? Als die Stadt 2008 viele städtische Grundstücke veräußerte, kauften die zwei damaligen Club-Betreiber das Grundstück des Pudel Clubs. Finanziell trägt die gesamten Kosten des Grundstückskaufs bis heute allein der Pudel Club. Dazu gehören die Tilgung des Umbau- und Kaufkredits sowie die gesamten Haus-Umbaukosten. (Der bestehende Pachtvertrag mit den jetzigen Pudel-Betreiber/innen (ein Kollektiv aus drei langjährigen Mitarbeiter/innen des Pudel Clubs) läuft noch 13 Jahre. Ursprünglich hatte die vom Pudel Club aufzubringende Summe an Kredittilgungen das Ziel einer dauerhaften, kollektiven und nicht gewinnorientierten Nutzung des gesamten Gebäudes. Dieser gemeinsame Plan wurde allerdings durch einen der Eigentümer konterkariert. Seit 2011 reklamierte dieser den oberen Teil des Gebäudes für sich und betrieb dort einen gastronomischen Betrieb. 2010 erfolgte durch diesen Eigentümer ein eigenmächtiger Austausch der Schlösser im Obergeschoss, der dem Pudel-Kollektiv und dem Miteigentümer des Grundstücks den Zutritt in die obere Gebäudehälfte unmöglich machte. (Von 2006 bis 2010 wurde im Obergeschoss des Gebäudes der tagsüber geöffnete Pudel Salon als Ergänzung des Clubs betrieben.)

 

Im Jahr 2013 hat sich der Pudel Verein für Gegenkultur e.V. (kurz: VerFüGe) gegründet, an dem die Pudel-Belegschaft, Musiker/innen, Nachbarn/innen und Unterstützer/innen aus dem Umfeld des Pudel Clubs und des Projekts Park Fiction beteiligt sind. Auch der zweite Eigentümer, Rocko Schamoni, ist Mitglied des Vereins und hat seinen Anteil am Grundstück symbolisch dem Verein übertragen. Eine rechtskräftige Überschreibung ist juristisch nicht möglich, da sie ohne Zustimmung beider Eigentümer nicht erfolgen kann. Ziel des Vereins ist die Sicherung des Gebäudes vor Immobilienspekulation und die Überführung des gesamten Grundstücks in einen kollektiven, nicht gewinnorientierten, zusammen mit dem Projekt Park Fiction organisierten Raum.

OPERATION PUDEL 2013 feiert “Verfüge e.V.”

FÜR KRÄFTESAMMLUNG!
FÜR SELBSTBESTIMMUNG!

FÜR DIE UTOPIE!

23. November, 20 Uhr, Fabrik, Barnerstr. 36, Hamburg

flyer frontseite - operation pudel 2013

flyer rückseite - operation pudel 2013

Live: SNC
Live: Deichkind
Live: Der Pudel Apparat feat. Rocko Schamoni, Schorsch Kamerun, Jacques Palminger, Carsten Meyer, Viktor Marek, Rica Blunck, Reverend Ch. Dabeler, DJ Patex, Ashraf Sharif Khan, Maurice Summen, Timo Blunck, Ralf Hertwig, Joney, Tex Strzoda und Spezialabendgäste.

Im November sind wir AUSNAHMSWEISE DAFÜR.
Wir sind für Orte, an denen selbstbestimmt eine Utopie gelebt werden kann.Orte, die jeder Verwertungslogik und Spekulation entzogen werden. Orte für alle. Alle für diese Orte.

Am Golden Pudel Club Hamburg ist so ein Platz.
Er und Park Fiction müssen erhalten werden.

Wir investieren deshalb entschlossen und standhaft unsere Kräfte in Musik, Worte und diesen Spezialabend. Damit es nie zu spät wird!

Der gesamte Pudel Apparat fährt auf, wirft tolle Kamellen und fängt sie mit offenem Visier wieder auf. Eine Supergroup mit vielen Zusammenunterhaltern und Hochpotential. Spezialabendgäste & Deichkind lenken unseren Fokus und Solarplexus gezielt mit ihrem Konzept von Bildung und Zeitvertreib auf gesellschaftliche und soziale Feuerstellen ohne gesundheitliche Themen zu beachten.

Ein Abend, den es so nie wieder geben wird.
Denn danach sind wir wieder DAGEGEN.

GEGEN MACHTLOSIGKEIT!
GEGEN VERWERTUNGSLOGIK!
GEGEN GEWINNMAXIMIERUNG ÜBERALL!

Die Einnahmen dieser Veranstaltung gehen, nach Abzug der Fabrik-Kosten, zu 100% an den „Pudel Verein für Gegenkultur e.V“.